Unsere Generation (d.h. die 70er Jahre) ist ein leidgeprüftes und treues.. Haben wir nicht eines der schwersten Putsche erlebt? Noch zu Studentenzeiten. Aus dem Grund haben wir nicht eben mal so “Laisser-faire” die Ausbildung genossen, uns stand es zu Ohren raus. Vor den 80ern, in der die Türkei die komplizierteste Phase erlebte, konnte ich die Schule mit Lernen und neben zu mit Arbeit gerade so absolvieren. Jedoch ist eines klar; durch die “praktische” Ausbildung auf der Akademie, hatten wir auf dem Sektor keine Schwierigkeiten erleben müssen.. Für die damalige Situation verdiente wir nicht schlecht. Abgesehen davon, gab es zu der Zeit keinen Rechner, geschweige denn, ein intelligentes Telefon. Stellt euch vor, das farbige Fernsehen tauchte damals so langsam im Lande auf. Unser Leben war genau so wie das Fernsehen, in schwarz-weiß. Aber diese schwarz-weißen Tage bearbeiteten wir mit unseren Pinseln und Stiften zu etwas Buntem. Während dieser Phase ist es wohl dem Glück zu verdanken, dass ich nicht von einem verräterischen Kugel getroffen wurde…
Das von mir kurz geschilderte und erlebte Phase, wenn es auch keine strenge Ausbildung gewesen sein mag, dennoch war sie so gefüllt. Unser großes Glück hatten wir dem Ausbildungsstil unserer Schule zu verdanken, die dem “Bauhaus” glich, welches parallel zu der Entwicklung in der Werbebranche in unserem Land verlief. Von sehr wertvollen Lehrern wurden wir unterrichtet und erhielten Reife. Mit großer Freude teilen wir immer noch mit ihnen unsere entwickelten Werke über die sozialen Medien, es ist noch wie am ersten Tag aufregend.
Nach meinem Abschluss war ich den Jahren zwischen 1982-2001 in zahlreichen Agenturen als Leiter von Grafik-Ateliers, Art-Direktor und Kreativ-Direktor tätig. 2001 gründete ich sogar mit zwei weiteren Partnern eine Agentur. Wenn ich ehrlich soll, so hatten wir sehr erfolgreiche Arbeiten, aber auch weniger gelungene Projekte geführt. Wie auch immer es gelaufen sein mag, ich machte alles mit viel Freude. Denn ich liebe das Schaffen und die Tätigkeit. Das ist unsere Lebensweise. Ein weiterer Schwerpunkt und Beitrag neben meiner Tätigkeit als Grafiker, das mich bis zum heutigen Tag vorangebracht hat, ist auch mein Dasein als Karikaturist. Karikatur; schnelles denken, die Grundlagen der Grafik passend setzen, sind Fachbegriffe die wir zum Vertrieb unseres Schaffens erlernt haben. Ich möchte in das Thema tiefer eingehen. Im Grunde sind der Karikaturist-Illustrator und der Grafiker zwei unterschiedliche Disziplinen. Das diese zwei Bereiche sich bei einer Person zusammengefunden haben ist eine große Chance. Ich denke, “Es geht nicht ohne” eine starke Vereinigung, um standhaft zu bleiben.
Seit nahezu 19 Jahren durfte ich in diesem Bereich bei Kenntnis als Grafiker ausbauen. “Grafik” hat sich bei mir zu einem Lebensstil entwickelt. Ich erblicke alles nur noch durch die “Grafik” Augen. Ich habe stets versucht mich an das Beste zu orientieren. So wollte auch ich jeden Auftrag am besten und am beeindruckendsten entwickeln, ohne dabei zu essen, sogar das Trinken vergessen sowie das Schlafen, eben jeder aus der Werbebranche. Aber dies ist nur mit einer jugendlichen Begeisterung und Energie auf Dauer zu schaffen.. Was aber auch passieren mag, sie beginnt es nach dieser Phase. Nach einiger Zeit erdrückt euch diese Branche. Denn es lässt sich nicht alles mit Geld werten. Und ewig jung werden ihr auch nicht bleiben.. Natürlich muss erst einige Zeit verstreichen bis das einem bewusst wird. An solchen jenen Tagen seid ihr wie “Rennpferde” und seid gezwungen zu arbeiten. Zum Nachdenken, hinterfragen bleibt euch nicht viel Zeit. Ansonsten wird euch das System aussondern und anschließend zerquetschen. “Es reicht jetzt” zu sagen, diesen Luxus habt ihr nicht.. Es ist nicht jeder in der Lage als Free-Lancer über Macht und Beziehungen zu verfügen. Nach einiger Zeit werdet ihr jedoch in der Lage dies in Augenschein zu nehmen. Denn als Einzelner könnt ihr diesem Teufelskreis nicht ausrichten. In der nächsten Agentur ist die Garantie von eben diesen selben Gegebenheiten flüchten zu können sehr gering, denn bei allen herrscht das System des Kapitals. Selbst wenn ihr eine lange Zeit in einer Agentur tätig seid, seid Ihr nicht davor gefeit ohne Abfindung entlassen zu werden. Und dann werdet ihr verstehen das es an etwas fehlt.. Eigentlich existiert zwischen euch und dem Blaumann-Träger in der Fabrik keinen Unterschied. Euch fehlt nur der Blaumann.
Nun gut, was muss in dieser Branche unternommen werden, um in Vertrauen und Sicherheit sich zu fühlen, mit Zuversicht und ohne Furcht zu arbeiten? Oder sollen wir unser eigenes Gewerbe gründen oder als Free-Lance tätig sein? Und genau an diesem Punkt stehen wir am Scheideweg. Denn bei aller Schwierigkeiten einer Agentur, sie hat auch ihre Vorteile. Ihr seid nicht mit unnötigen Dingen beschäftigt. Wenn ihr euch jedoch entschieden habt Unternehmer zu sein; dann muss du die Buchhaltung machen, der Grafiker sein, der Texter sein, der Fotograf sein, eben der Mann für alles sein. Dann werdet ihr die andere Seite dieser Branche sehen und kennenlernen. Das ist für einen Schaffenden Geist sehr schwer, der Vertreib oder der Kampf um das Honorar. Selbst wenn ihr mit einem Arbeitsvertrag arbeiten würdet, würdet ihr das was euch zustünde nicht bekommen oder das was ihr nicht bekommt, würde euch nur von der Arbeit entfremden, eure Schaffenskraft unterdrücken. Und manchmal verflucht ihr sogar diese Arbeit und das was euch noch bevorsteht. Denn ihr könnt zunächst nicht viel ausrichten. Ihr werdet begreifen bzw. einige haben es bereits erlebt, dass das Recht auf der Seite des Kapitals ist und nicht dem Arbeiter dient, und vor allem verfügt ihr nicht über die nötige Macht. Gut, aber was ist zu tun?!
Und spätestens an diesem Punkt werdet ihr das Nicht-Dasein der Institution TGDD schwer zu spüren bekommen. Auch wenn ihr in einer Agentur arbeitet, auch als Selbstständiger, der Umstand, sich ohnmächtig gegenüber seinem Arbeit – und Auftraggeber zu fühlen, weil niemand da ist der eure Rechte schützt und über den Rechtsweg Vertrauen zu gewinnen, macht euch zerbrechlich. In so einer Situation könnt ihr einen Anwalt zu Rate ziehen und eure Rechte einfordern. Aber mit großer wahrscheinlich werdet ihr nicht dazu kommen diese Schritte zu erwägen und noch weniger Zeit dafür haben. Um nämlich ständig bestehen zu bleiben, seid ihr gezwungen mit einem hohen Tempo zu arbeiten und zu produzieren, produzieren, produzieren. Ist es nicht das, was das kapitalistische System fordert?
Die Zeit vergeht und wenn ihr unser Alter erreicht habt (ja sogar früher), steht uns allen eine Lebensphase bevor, das als junger Mensch allzu gern ignoriert wird, aber leider uns alle erwartet: “die Rente!”. Noch so ein Scheideweg an dem wir zur Verzweiflung geführt werden können. Der Tag wird kommen, an dem ihr an die Vergangenheit denken werdet, an die “großen und übergroßen” Agenturen, die euch “niedrige, die niedrigsten” Rentenbeiträge gezahlten haben, sie euch als “Cookies” serviert wird und ihr nur noch verdammt sein werdet. Denn so gut wie jede Agentur zahlt eure Rentenbeiträge, so wie das kapitalistische System es erfordert, nicht über die Höhe eures Gehaltes, sondern über das Mindestlohn. Hier werdet ihr eine erneut einen Niederschlag erleben. Und das ist der Grund, warum die Redensart, “bis zum Tode” arbeiten muss, bei den GrafikerInnen zu trifft.
Die TGDD, sie steht für euch als die Institution, sie ist für die jungen GrafikerInnen, die in Agenturen tätig sind, für die in mittleren Alters oder für den älteren fortgeschrittenen GrafikerInnen und selbstständig tätigen, sie ist die einzige Sicherheit, die sich bei finanziellen Problemen mit dem Arbeitgeber auseinandersetzt, sie fordert den fairen Lohn für euer entgegengebrachte Leistung ein. Der Kopf dieses Vereins ist ein erfahrener und ein Meister. Auch wenn ich erst vor kurzem beigetreten sein mag, so habe ich stets sein Wirken, sein Kampf bewundert und als sein Schulfreud und Freund vom nahen beobachtet und werde ihn immer unterstützen. Er hat oft zu diesem Thema gesprochen und geschrieben, wie wichtig es ist eine ausgezeichnete Rechtsberatung im Verein zu haben, die sich ernsthaft und aufrichtig um die Belange der Mitglieder kümmert, die indem bislang immer erfolgreich sind. Auf diesem Wege möchte ich hier sehr gerne auch würdigen, dass sowohl Anfänger in diesem Bereich, ArbeiternehmerInnen in den Agenturen, Selbstständige GrafikerInnen, immer wieder mit regem Interesse durch aktuellen Themen und Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten werden. Ich rate allen GrafikerInnen, die sowohl in diesem Land (ja sogar diejenigen, die wie ich im Ausland tätig sind) so schnell als möglich, Mitglied bei TGDD zu werden. Die Zeit vergeht unverschämt schnell. Und ich bin mir sicher, dass ihr, wie auch unsere Generation, solange ihr den Stift in der Hand halten und die Tastatur bedienen könnt, tätig sein werdet. Denn das ist der einzige Beruf den wir machen können. Und ich glaube fest daran; wenn wir schöne Dinge schaffen, so werden sie unser Leben verlängern. Werdet Mitglied bei TGDD.. Gewinnt Mitglieder!..

